Schiffstaufen und Besonderheiten

„Allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unterm Kiel“

Am 12. Juni wird das neue Schiff von TUI Cruises feierlich getauft. Vielleicht fragen Sie sich, wie so eine Schiffstaufe abläuft? Ist es vergleichbar mit einer christlichen Taufe? In unserem Beitrag erklären wir die Tradition der Schiffstaufe.
bildkleinErst letzte Woche wurde der offizielle Tauftermin des neuen Flaggschiffs Mein Schiff 3 der deutschen Reederei TUI Cruises bestätigt. Der 12. Juni ist ein besonderer Tag für die Reederei aus Hamburg, dann endlich wird der erste komplette Neubau im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Hamburger Hafen getauft. Vielleicht fragen Sie sich, wie so eine Schiffstaufe abläuft? Ist es vergleichbar mit einer christlichen Taufe? Wird dem Schiff vielleicht sogar auch Weihwasser über die Stirn, wobei es hierbei in der Tat schwierig werden dürfte, gegossen und wird eine Messe abgehalten? Fragen, die wir in unserem heutigen Beitrag klären wollen, um Ihnen die Schiffstaufe näher zu bringen. Einmal live dabei zu sein, ist natürlich noch besser und mit auf Jungfernfahrt zu gehen, ist sicherlich ein ganz besonderes Gefühl, aber wir starten vielleicht erst einmal bei der Namensgebung.

rci_enchant_exteriorside_2Die Taufzeremonie

Schiffe, sei es Containerschiffe, Segelschiffe oder eben auch Kreuzfahrtschiffe wurden schon von den Römern feierlich „vom Stapel gelassen“. Opferbringungen und Feierlichkeiten rund um die Indienststellung eines neuen Schiffes sind bereits seit dem vierten vorchristlichen Jahrhundert nachweisbar. Die Schiffstaufe wird meistens bei Anlauf eines bestimmten Hafens durchgeführt, dort wird dem neuen Schiff der Name verliehen. Dieser richtet sich je nach Reederei an bestimmte Vorgaben und wird in der Regel vom Schiffseigner bestimmt. So enden beispielsweise die Namen der Schiffe von Royal Caribbean auf „of the seas“ und die Schiffe von Norwegian Cruise Line beginnen mit „Norwegian“. Nordeuropäische Schiffe werden meistens auf einen weiblichen Namen getauft, jedoch sind auch Wünsche für das Schiff (wie zum Beispiel „Fortuna“) oder Erinnerungen an wichtigen Persönlichkeiten möglich.

Bei der Schiffstaufe, die vor der offiziellen Jungfernfahrt stattfindet, wird das Schiff vom Schiffspaten mit einer Sekt- oder Champagnerflasche getauft. Die Flasche wird an einem langen Seil befestigt und dann vom Schiffspaten gegen das Bug geschwenkt. Nach dem Zerschellen der Flasche wird der Korken untersucht, der nach dem Brauch noch fest im oberen Rand der Flasche sitzen muss, um die Echtheit bzw. Wirksamkeit der Taufe zu bestätigen. Üblicherweise sind die Taufpaten der Schiffe Frauen, da ein männlicher Taufpate als böses Omen gewertet wird. Die Taufrede der Schiffspatin beinhaltet die Namensgebung und endet traditionell mit dem Satz „allzeit gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unterm Kiel“.

Kuriose Besonderheiten

Bei Taufen in Schottland wird üblicherweise nicht eine Sekt- bzw. Champagnerflasche für die Taufe genommen, sondern der gute schottische Whiskey herangeholt, um das neue Schiff gebührend zu taufen. Nach islamischer Sitte wird ein neues Schiff sogar mit Wasser aus dem heiligen Brunnen in Mekka getauft und nach indischer Tradition erhält das Schiff einen Blumenkranz aus Rosen und Nelken. Nur die Amerikaner toppen die kuriosen Bräuche noch: zur Zeit der Prohibition von 1919-1933 wurde für die Schiffstaufen Coca Cola genommen, da der Verkauf, die Herstellung und Genuss von Alkohol verboten war.

Verläuft die Schiffstaufe nicht nach Plan und die Flasche zerschellt beispielsweise nicht, wird dieses als böses Omen gewertet. So dürfte der Untergang der Titanic für abergläubische Kreuzfahrtpassagiere keine große Überraschung gewesen sein, denn die Titanic wurde nie getauft.

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