Die Rückkehr einer Legende

Australischer Milliardär baut Titanic nach

Unter dem Namen Titanic II soll 2018 ein nahezu exakter Nachbau der Schiffslegende seine Jungfernfahrt von Southampton nach New York antreten.

Es klingt wie eine fixe Idee – Der Nachbau des legendären Passagierschiffs Titanic, das 1912 bei seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York mit einem Eisberg kollidierte und sank. Doch Clive Palmer meint es ernst: 2018 will der australische Bergbaumilliardär mit seiner Titanic II das erste Mal in See stechen. Die gleiche Route, das gleiche Schiff – eine Zeitreise ins 20. Jahrhundert.

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Kabine der ersten Klasse

Drei-Klassen-Gesellschaft wird beibehalten

Anfang 2013 gab Palmer auf einer Pressekonferenz erste Details zu seinen Plänen bekannt. Demnach soll die Titanic II dem Original außen wie innen optisch so nahe wie möglich kommen. Bei einer Länge von ebenfalls 269 Metern wird es wie damals 840 Kabinen auf neun Decks geben, die Platz für 2500 Gäste bieten. Wie damals üblich wird an Bord eine Drei-Klassen-Teilung vorherrschen, was sich unter anderem im unterschiedlichen Design der Kabinen äußert: Während die erste Klasse mit Himmelbetten aus Mahagoni und Walnuss-Holz ausgestattet ist, verfügt die zweite immerhin über ausklappbare Waschtische. In der dritten Klasse hingegen sucht man jeden Luxus vergeblich, stattdessen erwarten die Passagiere Pritschen anstelle von bequemen Betten. Die standesgemäße Entlausung nach der Einfahrt in New York soll laut Palmer in Form von Konfetti-Spray nachgestellt werden. Auch in den übrigen Bereichen des Schiffes wird sich das Konzept der drei Klassen fortsetzen – entsprechend ihrer Klassenzugehörigkeit erhalten die Gäste Kleidung im Stil des frühen 20. Jahrhunderts und auch der prunkvoll gestaltete Speisesalon unter Deck ist ausschließlich den Passagieren der ersten Klasse vorbehalten. Eine Vermischung der drei Gruppen, so Palmer, sei nicht vorgesehen, um das Abenteuer Titanic möglichst authentisch zu gestalten.

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Funkraum

Erste Tests erfolgreich

In Puncto Sicherheit wird der Neubau jedoch keinesfalls retro: Modernste Navigationstechnik, ein um vier Meter verbreiteter und stabilerer Rumpf und 18 Rettungsboote sollen die Titanic II zum sichersten Kreuzfahrtschiff der Welt machen. Auch auf die modernen Annehmlichkeiten wie Klimaanlagen, Internet und Kasino müssen die Gäste des geschichtsträchtigen Luxusliners nicht verzichten. Im Gegensatz zum Original wird die neue Titanic außerdem nicht in Belfast, sondern in der chinesischen Werft Werft CSC Jinling gebaut, bei der Palmer bereits vier Transportschiffe herstellen ließ: „Ich sagte, das müsste eigentlich mal einer machen mit der ‚Titanic‘, und mein chinesischer Kollege hielt mir quasi sofort den Vertrag unter die Nase.“ Ein erster Test mit einem 9,3 Meter langen Holzmodell fand bereits im September des vergangenen Jahres in der Hamburgischen Schiffbau- und Versuchsanstalt statt. Für das Modell wurde sogar eine Schiffstaufe abgehalten, ehe es im 300 Meter langen Versuchskanal zu Wasser gelassen wurde.

Finanzielles Schwergewicht

Zweiflern begegnet Palmer selbstbewusst: „Warum fliegt man zum Mond? Warum ist Christopher Columbus nach Amerika gesegelt? Weil sie es konnten. Ich kann das hier, und ich werde es durchziehen.“ Die über 40000 Ticketanfragen, die Palmers eigens gegründete Reederei Blue Star Line bereits erreicht haben, geben dem Geschäftsmann Recht. Einige Interessenten seien sogar bereit, eine Millionen Dollar zu zahlen, um bei der Jungfernfahrt dabei zu sein. Die Kosten für das Mammut-Projekt belaufen sich Schätzungen zufolge auf 280 Millionen US-Dollar, bestätigen will der Selfmademan diese Spekulationen jedoch nicht: „Ich habe genug Geld, um das alle zu finanzieren.“ Und auch wenn Palmer sich sicher ist, dass sein Schiff zu einer weiteren Goldmine werden wird, gibt er sich bescheiden: „Man sollte sich nie darum sorgen, wie viel Geld man verdient, sondern darum, es aus den richtigen Gründen zu tun.“ Für ihn sei es eine Herzensangelegenheit, die unvollendete Reise der Titanic mehr als 100 Jahre nach der Tragödie zu beenden.

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Atrium

Jungfernfahrt im Jahre 2018

Clive Palmer ist nicht der erste, der den Mythos um den Luxusdampfer wieder auferstehen lassen will. Seit dem großen Erfolg des US-amerikanischen Spielfilmdramas zum Untergang der Titanic hatte es bereits zahlreiche Pläne zum Nachbau der Schiffslegende gegeben, die jedoch allesamt wegen des schlechten Omens wieder verworfen wurden. Palmer hingegen hat für Aberglaube nicht viel übrig: „Alles kann sinken, wenn du ein großes Loch reinreißt. Aber ein großer Vorteil der Klimaerwärmung ist, dass es nicht mehr ganz so viele Eisberge im Atlantik gibt.“

2018 wird der Neubau zwei Jahre später als ursprünglich geplant von Southampton aus zu seiner Jungfernfahrt zum New Yorker Hafen aufbrechen. Genaue Gründe für die Verzögerung nannte Palmer nicht. Auch nach der Jungfernfahrt soll die Titanic II als Kreuzfahrtschiff im Einsatz bleiben und eine neue Flotte an Luxuslinern begründen.

Alle Bildrechte: Blue Star Line

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